Home Die Vergessenen der Insel Koos

Insel Koos  - Das 150 Quadratmeter große Eiland hinter Groß Karrendorf ist ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet und gehört hoheitsmäßig zur Hansestadt Greifswald. Es gibt zwei Häuser, eine Scheune und drei Wirtschaftsgebäude. Sechs Menschen leben dort: Ein Paar mit seinem achtjährigen Sohn, eine alleinstehende jüngere Frau und zwei alte Damen, eine davon fast 90 Jahre alt. Post, Müllabfuhr, Paketdienst, Taxen für den Transport der Omas zu Arztterminen sind seit dem Sturmtief Daisy am 10. Januar nicht mehr möglich.

Ronald Abraham, Mitarbeiter des Staatlichen Umweltamtes und einer der Bewohner auf dem Koos, ist wütend auf die Stadt. „Unseren Sohn haben wir bei diesem Wetter bei der Oma in Greifswald einquartiert. Auch wenn wir nur eine Handvoll Leute sind, dürfen wir doch von der Stadt nicht vergessen werden“, schimpft er. Dass es keinen Winterdienst gebe, sei verständlich. „Den gab es noch nie, die 2,5 Kilometer von Groß Karrendorf bis zur Insel gehören ja auch zur Gemeinde Mesekenhagen. Aber jetzt, wo wir wirklich auf Hilfe angewiesen sind, müsste doch auch im Greifswalder Rathaus jemand an die Insel denken“, fordert er.

Fred Wixforth, Leiter des Tiefbau- und Grünflächenamtes, sieht das anders: „Die Insel befindet sich in Besitz des Landes MV. Es wohnt dort nur eine verschwindend geringe Zahl von Menschen. Von dringender Not oder Lebensgefahr ist nichts bekannt. Es gibt keine öffentlichen Straßen, Wege und Plätze. Deshalb sind Straßenreinigung und Winterdienst auf der Insel Koos Eigentümersache“, erklärt er.

Roland Abraham hat keine andere Antwort erwartet. „Ich bin auf Wunsch des Landes dorthin gezogen, damit ich naturschutzrechtliche Belange wahrnehme. Ich habe schon an die 1000 Interessierte durch das Naturschutzgebiet geführt. Meine Steuern entrichte ich in der Hansestadt. Aber wenn in einer außergewöhnlichen Situation ein Cent hierher fließen soll, ist das unmöglich. Wenn einer aus dem Rathaus hier wohnen würde, sähe die Sache anders aus“, ist er überzeugt. Die Hansestadt solle die Insel an Mesekenhagen abtreten. „Dann werden wir sicher nicht vergessen.“ Abraham hat wieder Matthias Schulz vom Karrendorfer Landwirtschaftsbetrieb Ehrenberg/Schulz um Hilfe gebeten: Der Bauer hat mit seinem Radlader den Weg gestern so frei gemacht, dass wenigstens der Jeep durchkommt. Zum Glück für Roland Abraham: „Ich muss zur Arbeit und auch für die beiden alten Damen einkaufen. Wir können nicht alles zu Fuß hierher schleppen.“ Von CORNELIA MEERKATZ, Quelle: www.ostsee-zeitung.de


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Veröffentlicht
09:44:30 04.02.2010

 


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