Millionen fließen in Erhaltung historischer Bürgerhäuser in Stralsund
Stralsund (OZ) - Das Holzgutachten hat ihm letzte Woche zwar erst einmal einen schweren Schock versetzt. Doch Fred Muhsal (46) bleibt zuversichtlich. „Das wird schon“, ist er überzeugt.
Auch wenn gerade in einem besonderen Kleinod seines neuen Besitzes — im historischen Spiegelsaal — vieles so verrottet ist, dass ein kompletter Rückbau erfolgen muss. Auch eine andere Holzdecke sei nach Expertenrat nicht mehr zu retten. „Ja, es wird schwierig. Aber es läuft dennoch alles sehr gut“, sagt Muhsal.
Aus Liebe zu seiner Heimatstadt hat der gebürtige Stralsunder, der als Vierjähriger gleich gegenüber wohnte, die drei Häuser Mönchstraße 52, 53 und 54 gekauft.
Eigentlich wollte er nur eines der desolaten und akut gefährdeten Gebäude übernehmen. Doch die Stadt hatte lange vergeblich einen Investor gesucht. Niemand wagte sich an die schwierige Aufgabe heran.
Schließlich habe man ihn doch überredet, alle drei Häuser zu sanieren. Mit einem geschätzten Bauvolumen von 3,5 Millionen Euro.
Von der Stadt gibt es eine finanzielle Förderung. Mit Unterstützung von Bund und Land hat die Kommune das 9,26 Millionen schwere Programm „Welterbe erhalten & Zukunft gestalten“ aufgelegt. Darin stehen bis 2013 für die Unterstützung der Sanierung in einem speziellen „Bürgerhausprogramm“ 4,45 Millionen Euro zur Verfügung. „Dieses Programm ist bundesweit einmalig“, sagt Ronny Planke von der Stadterneuerungsgesellschaft.
„Ich bin begeistert, dass Sie alle drei Häuser anpacken. Das ist richtig gut“, sagte gestern OB Alexander Badrow. Er dankte dem Bauherren für seinen Mut und die Kraft, die er in das Projekt stecke.
Beim Blick die Mönchstraße entlang, die bisher etwas stiefmütterlich behandelt worden sei, könne man nun sehen, wie sie immer schöner werde.
Fred Muhsal hatte Stralsund 1989 über Ungarn in den Westen verlassen. Seit 2000 lebt er in Waren und betreibt hier eine Immobilien- und Baufirma. In der Hansestadt hat er weitere Objekte saniert. So das Gutshaus im Krankenhaus West oder die Barther Straße 57 und 61.
Im dem Häusertrio im Herzen der Altstadt sollen nun 25 Wohnungen entstehen, die vermietet werden. Die Größe wird zwischen 36 und 160 Quadratmetern liegen. Dafür übernahm das Stralsunder Architekturbüro Reimann und Gonseth die Planung. „Ich denke, wir haben gute Kompromisse gefunden“, meint Fred Muhsal. Vor allem, was das Licht in den Räumen betreffe. Schließlich nütze es niemandem etwas, wenn man zwar am Ende ein schönes Denkmal habe, in dem aber keiner wohnen möchte. Und sogar den Fledermäusen, die sich hier zuletzt eingenistet haben, wird man im Kellergewölbe gebührenden Platz einräumen.
Die Giebelhäuser sind im Kern alle mittelalterlichen Ursprungs, wie Stadtarchivar Dr. Andreas Neumerkel den historischen Unterlagen entnimmt. Im 17. und 19. Jahrhundert wurden sie jedoch verändert. Gelebt haben hier immer reiche Leute — Ratsherren, Kaufleute, Juristen. So Vertreter der berühmten Familie Hagemeister, die mehrere Bürgermeister stellt. Den Spiegelsaal im Kemladen, in dem manches rauschende Fest gefeiert wurde, ließ Otto Oscar Julius Holm errichten, der das Haus 1851 kaufte. von MARLIES WALTHER, Quelle:www.ostsee-zeitung.de
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| Veröffentlicht 07:39:35 04.03.2010 |
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