Vorpommersche Buchclub-Filiale in Stralsund macht dicht
Stralsund (OZ) - „Die nächste Woche wird noch einmal hart“, prophezeit Ramona Artlich. Es sind ihre letzten sechs Arbeitstage in der Ossenreyerstraße 7. Zwanzig Jahre hat die vierfache Mutter bei Bertelsmann gearbeitet — fünfzehn davon in der Filiale am Alten Markt, die letzten fünf dann in der Haupteinkaufsstraße, wo der Club 2005 noch größere und modernere Räume bezogen hatte. „Es ist, als verliert man ein Kind“, versucht die gelernte Fotografin auszudrücken, was sie bewegt.
Wehmut klingt in ihrer Stimme. Denn die Club-Filiale hatte etwas von einer großen Familie, sagt sie. „Die Leute sind ja immer wiedergekommen, denn bei Bertelsmann ist es seit jeher üblich, alle drei Monate einen Artikel zu kaufen: ein Buch, eine CD, eine DVD oder ein Fotoalbum.“ Vor allem ältere Leute habe sie gern beraten, wenn sie nicht so recht wussten, was sie nehmen sollten, blickt die Stralsunderin auf die vielen schönen Jahre zurück. Besonders, wenn es um Krimis ging, war ihre Meinung auch immer gefragt. „Da kenne ich mich besonders gut aus“, sagt Ramona Artlich. Sie weiß noch nicht, was nach dem 13. März aus ihr werden soll. Sie hofft, dass sie schnell wieder eine Anstellung findet, so wie ihre Filialleiterin, die bereits in einem nahen Textilgeschäft untergekommen ist.
Eine andere Kollegin ging in Altersteilzeit, so dass in der letzten Woche bereits Kolleginnen aus Rostock und Neubrandenburg aushelfen müssen. Dorthin müssen Stralsunder Clubmitglieder demnächst auch fahren, wollen sie weiter in einer Bertelsmann-Filiale umfassend beraten werden und nicht auf dem Postweg oder im Internet bestellen. „Das stößt natürlich auf viel Kritik. Die Kunden sind regelrecht sauer“, sagt Ramona Artlich.
„Wir sind aber zur Schließung gezwungen“, ist Matthias Wulff von der Presseabteilung des Buchclubs um eine Erklärung bemüht. Die Mitgliederzahl in Vorpommern habe im letzten Jahr die 3000 unterschritten. Damit sei die Filiale nicht mehr rentabel.
Wie in Stralsund stehen gegenwärtig weitere der noch 270 deutschlandweit existierenden Club-Läden auf dem Prüfstand. Denn die Mitgliederzahlen nehmen auch anderswo ab. 2,7 Millionen gibt es noch in Deutschland — von ehemals fünf gleich nach der Wende. „Bertelsmann ist aber dabei, neue Konzepte auszuprobieren“, erklärt Wulff. Dazu gehören auch Kooperationen mit anderen Einzelhändlern, ähnlich wie bei der Post. Ob so etwas allerdings für Stralsund in Frage kommt, sei noch unklar. von REINHARD AMLER Quelle: www.ostsee-zeitung.de
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| Veröffentlicht 10:03:44 06.03.2010 |
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