Home Poseritzer Bürgermeister zahlt für jedes Neugeborene 500 Euro aus seiner privaten Tasche.

Poseritz (OZ) - Die klamme Haushaltslage macht erfinderisch. Weil Bürgermeister Michael Burmeister (69) kein Geld in der Gemeindekasse übrig hat, um alle Neugeborenen aus Poseritz mit einem Begrüßungsgeld willkommen zu heißen, zahlt er das jetzt aus seiner privaten Tasche.

„Ich habe mich verpflichtet, für jeden Neugeborenen 500 Euro zu spenden. Bedingungen sind, dass das Kind mit Hauptwohnsitz in Poseritz gemeldet ist und die örtliche Kindertagesstätte nutzt“, erklärt Burmeister. Zudem werde das Geld gesplittet ausgezahlt. Die ersten 100 Euro gibt es zur Geburt. Und dann je 100 Euro pro Jahr bis zum vierten Geburtstag. „Durch die Staffelung möchte ich sicherstellen, dass das Geld auch wirklich dem Kind zugute kommt, zum Beispiel jedes Jahr ein schönes Geburtstagsgeschenk gekauft wird“, so Burmeister, der früher in Lübeck und Berlin als Opernmusiker gearbeitet hat und heute im Ruhestand ist. Seit 1992 lebt er auf Rügen, ist seit 1999 Bürgermeister von Poseritz.

Gerade erst hat er seinen Entschluss in der Gemeindevertretersitzung in Poseritz bekanntgegeben, schon hat er die ersten 100 Euro überreicht. Und zwar für Emelly Lea Linke, die am 25. Januar geboren wurde. Mama Manuela Linke (26) und Papa Mirko Witteschus sind erst vor wenigen Monaten nach Poseritz gezogen und freuen sich über die Überraschung. Die nächsten 100 Euro hat Michael Burmeister bereits zur Seite gelegt. Denn im April wird es erneut Nachwuchs in Poseritz geben.

In der Gemeinde mit etwa 1130 Einwohnern kommen pro Jahr zwischen fünf und zehn Kinder zur Welt. Im ersten Jahr könnten das also bis zu 1000 Euro aus dem privaten Geldbeutel von Michael Burmeister sein, im zweiten dann schon bis zu 2000 Euro.

Wichtige Klausel in seiner Selbstverpflichtung: Er zahlt das Babygeld für die Dauer seiner Amtszeit. Wird bei den Kommunalwahlen in vier Jahren ein anderer zum Poseritzer Oberhaupt gewählt, muss Burmeister nicht mehr in die private Tasche greifen. Das Begrüßungsgeld entnimmt er nämlich der Aufwandsentschädigung fürs Ehrenamt. „Als Bürgermeister bekomme ich monatlich etwa 700 Euro“, so Burmeister. Ob er reich sei und das Geld nicht brauche? „Nein so ist das nicht.“ Aber die Sache ist es dem Rentner wert. „Wir können nicht immer nur reden, wir müssen auch was machen“, gibt sich Burmeister kämpferisch.

Schließlich hat er das Babygeld ins Wahlprogramm der Wählergemeinschaft für Poseritz geschrieben, mit dem er 2009 in den Kommunalwahlkampf ging. „Was ich versprochen habe, will ich auch einhalten.

Aber bei der desolaten Haushaltslage kann ich das Geld auf keinen Fall in den Haushaltsplan aufnehmen“, sagt Michael Burmeister, der nur mit großer Kraftanstrengung einen ausgeglichenen Haushalt hinbekommen hat.

Dass ein Bürgermeister Baby- Geld aus seiner privaten Tasche bezahlt, ist wohl einmalig in Mecklenburg-Vorpommern. Die Finanzspritze für frisch gebackene Familien hingegen wird immer beliebter. Auf Rügen haben bereits Binz (250 Euro), Bergen (100 Euro als Gutschein), Baabe (Gutschein für Kinder- und Babysachen über 250 Euro), Sellin (250 Euro ab dem zweiten Kind) und Putgarten (500 Euro) ein solches Begrüßungsgeld für Neugeborene eingeführt. von KATHARINA DEGRASSI, Quelle: www.ostsee-zeitung.de


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Veröffentlicht
10:06:12 06.03.2010

 


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