Home Wracks vor Gotland entdeckt

Stockholm/Lubmin (OZ/dpa) - Der Bau der Gaspipeline Nord Stream durch die Ostsee erweist sich als Fundgrube für Archäologen. Östlich der schwedischen Insel Gotland wurden jetzt mehrere sehr alte Schiffswracks entdeckt, wie der schwedische Rundfunk berichtet. In einem Interview stuft Peter Norman vom Reichsantiquariatsamt in Stockholm neun Funde als „ausgesprochen wertvoll“ ein. Er datiert nach Auswertung des Bildmaterials das älteste der entdeckten Wracks um 1000 unserer Zeit. Acht weitere Schiffe werden dem Mittelalter beziehungsweise dem 17. und 18. Jahrhundert zugeordnet. Die genauere Untersuchung wird laut Norman noch Zeit in Anspruch nehmen, da die Schiffe in rund 100 Metern Tiefe liegen. Besonders bemerkenswert: Drei Wracks haben noch einen intakten Rumpf. Die Funde hätten einen „enormen kulturhistorischen Wert“, sagt Norman. Um die Herkunft der Wracks zu bestimmen, überlegen die Schweden, Materialproben zu nehmen.

Nach Angaben des Nord Stream-Konsortiums liegen die Wracks nicht direkt in der geplanten Linienführung der Trasse und sollen, wie es die UNESCO-Konvention zum Schutz des kulturellen Erbes vorsieht, auf dem Meeresboden bewahrt werden. Man wolle aber Rücksicht auf die Interessen der Archäologen nehmen.

Mit einem enormen Aufwand haben Expertenteams zwei Jahre lang im Auftrag der Nord Stream AG die 1220 Kilometer lange Schneise für die geplante Erdgastrasse untersucht und fotografiert. Tauchroboter wurden bis in 200 Meter Tiefe zum Ostseegrund geschickt. Ausgestattet mit Unterwasserkameras, Sonar-Scannern, Gradiometer und Magnetometer spähten die ferngesteuerten Kundschafter Stück für Stück den 15 Meter breiten Trassenkorridor aus. Die Gasleitung verläuft vom russischen Wyborg bis nach Lubmin bei Greifswald. Ab Ende 2011 soll durch die Leitung russisches Erdgas nach Deutschland fließen.

Im Greifswalder Bodden waren im Sommer 2009 Reste eines 300 Jahre alten Wracks geborgen worden, das „im Weg lag“. Es gehörte zu einer künstlichen Schiffssperre, die die Schweden 1715 durch den Bodden legten, um den Dänen die Einfahrt zu verwehren.

Dr. Thomas Förster vom Stralsunder Meeresmuseums hält es für sehr wahrscheinlich, dass auf dem Grund der Ostsee bei Gotland besonders alte Wracks liegen. „Die Insel mit ihrer Hauptstadt Visby war zur Wikinger- und Hansezeit eine wichtige Drehscheibe des Handels.“ Außerdem biete die felsige Küste hervorragende Erhaltungsbedingungen. „In den tiefen Schichten herrschen minimale Wasserbewegungen. Außerdem kommt die Schiffsbohrmuschel, die Hölzer zerstört, dort nicht vor.“ von SIMONE HAMANN, Quelle: www.ostsee-zeitung.de


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Veröffentlicht
07:36:18 09.03.2010

 


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